
Ab heute eröffnet TuttoItalia eine neue Rubrik, Politik. Sie entsteht nicht, um Parteien zu kommentieren, sondern aus einem viel konkreteren Grund: Wer ausserhalb Italiens lebt, erfährt fast immer zu spät, oder gar nicht, wann gewählt wird und worüber. Die Kommunalwahlen der eigenen Herkunftsgemeinde, die Regionalwahlen, die Referenden, die Wahl der eigenen Vertreter im Ausland. Es sind volle Rechte, die nur deshalb von ganz wenigen ausgeübt werden, weil niemand Bescheid gibt. Wir beginnen mit der nächstliegenden Frist, und sie betrifft direkt alle, die in der Schweiz leben.
Über sechshunderttausend Italienerinnen und Italiener leben in der Schweiz. Bei den letzten Comites-Wahlen 2021 stimmten in Bern 433 von ihnen ab.
Am 4. Dezember 2026 werden die Comites neu gewählt, die Komitees der Italiener im Ausland. Das Datum ist jenes, das die Farnesina in der im Juli lancierten Informationskampagne genannt hat; die formelle Bestätigung kommt mit dem Dekret zur Einberufung der Wahlen. Es ist die einzige Konsultation, bei der die im Ausland wohnhaften Italiener bequem von zu Hause aus wählen, per Briefwahl, ohne nach Italien zu reisen.
Es gibt allerdings eine Regel, die den ganzen Unterschied macht, und sie ist der Grund, warum dieser Artikel heute erscheint und nicht im November: Die Briefwahl ist nicht automatisch. Das Couvert mit dem Stimmzettel macht sich nicht von selbst auf den Weg. Um es zu erhalten, muss man beim eigenen Konsulat einen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis stellen, und der Antrag muss bis zum dreissigsten Tag vor der Wahl eintreffen, also bis zum 4. November 2026. Wer ihn nicht stellt, erhält keinen Stimmzettel und wählt nicht. 2021 fiel dieselbe Frist auf den 3. November und ging in der Schweiz fast unbemerkt vorbei.
Wahlberechtigt sind volljährige italienische Staatsbürger, die im AIRE eingetragen sind und seit mindestens sechs Monaten im eigenen Konsularbezirk wohnen. Ein praktisches Detail, das jedes Mal Tausende von Stimmzetteln vernichtet: Das Couvert wird an die Adresse geschickt, die im AIRE hinterlegt ist. Wer umgezogen ist und dem Konsulat die neue Adresse nicht gemeldet hat, erhält nichts, auch bei ordnungsgemässer Eintragung in das Wählerverzeichnis. Die Adresse zu aktualisieren ist im Übrigen eine gesetzliche Pflicht, deren Verletzung geahndet wird, und man tut es besser vor November.

Der weitere Kalender steht bereits fest. Die Konsulate versenden die Wahlcouverts zwischen dem dreissigsten und dem zwanzigsten Tag vor der Wahl, also in einem Fenster, das ungefähr vom 5. bis zum 14. November reicht. Wer es erhält, sollte sofort wählen und das vorfrankierte Couvert zurückschicken, denn es zählt nicht das Versanddatum, sondern der Eingang: Das Couvert muss bis 24 Uhr des 4. Dezember 2026 beim Konsulat eintreffen. Ein am 5. Dezember eingetroffener Stimmzettel ist ein verlorener Stimmzettel.
Die Comites sind 1985 geschaffene Wahlgremien, die heute durch das Gesetz 286 von 2003 geregelt sind. Sie werden direkt von den Landsleuten gewählt, bleiben fünf Jahre im Amt und zählen zwölf Mitglieder in Bezirken mit bis zu hunderttausend Ansässigen, achtzehn in jenen über dieser Schwelle. Sie sind der anerkannte Ansprechpartner von Konsulat und Botschaft für alles, was den Alltag der Gemeinschaft berührt: Konsulardienste und Wartelisten, Schule und Italienischkurse, Hilfe für Landsleute in Not, kulturelle und Vereinsinitiativen. Ihre Gewählten wirken zudem an der Zusammensetzung des Generalrats der Italiener im Ausland mit.
In der Schweiz macht das Gewicht der Zahlen den Termin alles andere als formell. Allein im Konsularbezirk Zürich zählt das Konsulat nach den für das erste Halbjahr 2026 veröffentlichten Statistiken 240'159 ansässige Landsleute, und im ganzen Land liegen die AIRE-Eingetragenen über sechshunderttausend. Bei den Wahlen 2021 waren die gültigen Stimmen jedoch 1'548 in Lugano, 1'045 in Basel, 900 in Genf und 433 in Bern. Wenige hundert Stimmzettel haben entschieden, wer Hunderttausende vertritt: Es ist genau die Art von Missverhältnis, die sich nur mit Information korrigieren lässt.
2021 wurden in der Schweiz sieben Komitees gewählt, und es lohnt sich, sie aufzuzählen, denn kaum jemand weiss, welches das eigene ist.
Comites Zürich: vertrat 2021 rund 144'000 Landsleute in neun Kantonen der Deutschschweiz, von Zürich bis Luzern, Zug, Schaffhausen, Schwyz, Glarus, Uri, Obwalden und Nidwalden. Website: comiteszurigo.ch.
Comites St. Gallen: zuständig für die Ostschweiz, Graubünden und das Fürstentum Liechtenstein. Website: comites-sangallo.ch.
Comites Bern: zwölf Mitglieder für den Bezirk Bern und Neuenburg. Website: comites-bernaneuchatel.ch.
Comites Basel: zuständig für die Region Basel, heute unter einer neuen Domain erreichbar. Website: comitesbasilea.org.
Comites Lausanne: zuständig für die Kantone Waadt und Wallis. Website: comites-losanna.weebly.com.
Comites Genf: zuständig für den Kanton Genf. Website: comites-ginevra.ch.
Comites Lugano: zuständig für das Tessin, wo nach Angaben des Komitees selbst über 122'000 italienische Staatsbürger leben, mit kostenlosen Beratungsschaltern in Lugano und Bellinzona. Website: comitesluganoticino.ch.
Das ist allerdings die Landkarte von 2021, und inzwischen wurde das Konsularnetz neu geordnet: Heute ist das Generalkonsulat Zürich auch für St. Gallen, den Thurgau, die beiden Appenzell, Graubünden und Liechtenstein zuständig, während Genf auch Waadt und Wallis abdeckt. Das bedeutet, dass einige Komitee-Bezirke nicht mehr mit den Konsularbezirken übereinstimmen, und welche Komitees am 4. Dezember tatsächlich neu gewählt werden, legt das Einberufungsdekret fest.
Die Quelle, die man prüfen sollte, sowohl für das eigene Komitee als auch für die genaue Adresse des Antrags, bleibt also die Website des eigenen Konsularbezirks, wo die Kontaktdaten aktuell und teils in den letzten Jahren geändert sind: das Generalkonsulat Italiens in Zürich, das Generalkonsulat Italiens in Genf, das Generalkonsulat Italiens in Lugano, das Konsulat Italiens in Basel und die Konsularkanzlei der Italienischen Botschaft in Bern.

Es lohnt sich, schon in diesem ersten Artikel eine immer wiederkehrende Verwirrung zu klären. Bei den Parlamentswahlen und den Referenden wählen die AIRE-Eingetragenen per Briefwahl im Wahlkreis Ausland, und in diesem Fall kommt das Couvert ohne Antrag, ausser man wählt die Option, in Italien abzustimmen, und teilt dies dem Konsulat innerhalb des zehnten Tages nach der Wahlausschreibung mit. Für die Kommunal- und Regionalwahlen existiert dagegen keinerlei Stimmabgabe aus dem Ausland: Man muss zurückreisen und in der Gemeinde wählen, in deren Verzeichnis man eingetragen ist und die eine Benachrichtigungskarte mit den Modalitäten und den jeweils vorgesehenen Reisevergünstigungen schickt. Das ist der Grund, warum Tausende von Italienern in der Schweiz nie für den Bürgermeister des Ortes gestimmt haben, in dem sie geboren sind, obwohl sie das volle Recht dazu hätten.
Das italienische Wahljahr 2026 liegt aus dieser Sicht bereits hinter uns: Das Verfassungsreferendum zur Justiz fand am 22. und 23. März zusammen mit den Nachwahlen statt, die Kommunalwahlen am 24. und 25. Mai mit den Stichwahlen im Juni und der sardische Termin am 7. und 8. Juni. Die nächste Kommunalwahlrunde wird im Frühjahr 2027 erwartet, mit den Regionalwahlen in Sizilien im Herbst und den Parlamentswahlen zum natürlichen Ende der Legislaturperiode, ebenfalls 2027.
Von jetzt an führt diese Rubrik einen aktuellen Kalender der italienischen Wahlen, national und lokal, und benachrichtigt per E-Mail alle, die es wünschen, wenn in ihrer Herkunftsgemeinde oder Herkunftsregion gewählt wird. Wer die Hinweise erhalten möchte, kann uns dies unter Angabe von Herkunftsgemeinde und Region mitteilen, per E-Mail an votazioni@tuttoitalia.ch.
Die erste nützliche Gedächtnisstütze steht aber schon in diesen Zeilen: 4. November für die Anmeldung, 4. Dezember für die Wahl.