
In einem abgelegenen Alpendorf wird ein Mord begangen; die Leiche wird von Cesare gefunden, einem ehemaligen Schmuggler, der in dem Körper seinen eigenen Patensohn erkennt. Die Vergangenheit von Cesare selbst und der Figuren, die ihn umkreisen, wird durch die polizeilichen Ermittlungen infrage gestellt und legt beunruhigende und unglückliche Wirklichkeiten offen, die der Suche nach dem Mörder verschiedene Lösungen zu geben scheinen. Mit einem überraschenden Ende. Tuttoitalia hat den Regisseur Nicola Bellucci getroffen.
Ein ruhiger Ton, der dem gängigen Bild von Regisseuren, die ein Filmteam führen, wenig ähnelt; ein introvertierter Charakter, der sich nach und nach öffnet und den Aufbau seines Films enthüllt: Das ist Nicola Bellucci, Regisseur von „Il mangiatore di pietre“ (Der Steinesser), und das ist es, was er uns erzählt hat.
Nicola, du kommst aus der Welt der Dokumentarfilme; wie war die Annäherung an die Produktion eines Spielfilms? „Ich komme aus einer anderen Welt. Dokumentarfilme zu machen bedeutet, fremde Landschaften zu sehen, in denen du derjenige bist, der um Erlaubnis bitten muss, um einzutreten. Der Regisseur, der einen Film erschafft, hat dagegen das Bedürfnis, die anderen in sein egozentrisches Universum hineinzulassen. Sagen wir, dieser mein Zugang hat mir die Demut gegeben, eine neue Erfahrung anzugehen.“
Dein Film hat anfangs eine düstere, eisige Atmosphäre, fast wie ein norwegischer Thriller, der wenig an den italienischen Stil erinnert. Es ist dir gelungen, die Kälte zu vermitteln, die man in den ersten Szenen erlebt... „Ganz bewusst. Das ist ein Kompliment, das mich freut! Es ist kein typisch italienischer Film. Wir haben stark auf die Fotografie und auf die ‚polar‘-Atmosphäre gesetzt, die bereits im Roman vorhanden ist. Sicher hat mir meine Erfahrung als Dokumentarfilmer geholfen; die Kälte ist wesentlich, die Figuren sind fast gefroren, fast stumm. Wir haben tatsächlich unter verrückten Wetterbedingungen gedreht: Das Varaita-Tal, kalt, geschlossen und archaisch, eignete sich sehr gut, um auch die Atmosphäre zu vermitteln.“

Warum habt ihr euch entschieden, in einigen Passagen den Dialekt als Sprache zu verwenden? „In Wirklichkeit haben wir die Körperlichkeit der Einheimischen genutzt, keine Berufsschauspieler, um den Figuren, die den Hintergrund der Geschichte bilden, noch mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Alten sprechen Okzitanisch und waren für einige Rollen perfekt und hatten ein unglaubliches Gesicht, das durch die Leinwand stach.“
Wo wir von Gesichtern sprechen, können wir den Hauptdarsteller nennen, den grossartigen Luigi Lo Cascio. Diesmal in einer ganz anderen Rolle als in Filmen wie „I cento passi“ (Die hundert Schritte) oder „La meglio gioventù“ (Die besten Jahre), nicht wahr? „Es war eine überaus glückliche Wahl, er ist einer der besten italienischen Schauspieler, der seine Körperlichkeit hervorragend einzusetzen weiss, was nötig war, um Cesare zu beschreiben, den sehr introvertierten und wortkargen Hauptdarsteller. Luigi war anfangs zweifelnd, weil es für ihn eine Herausforderung war, nicht die übliche Rolle des linken Intellektuellen oder des Sizilianers zu spielen und sich in einen Bergbewohner der Alpen zu verwandeln. Sicher war es eine anregende Figur, weil ich einen Schauspieler suchte, der sich ausdrücken konnte, fast ohne zu sprechen, und ihm ist das gelungen.“
Sprechen wir über die Inhalte: In diesem Film werden viele aktuelle Themen berührt, vom Drogenhandel über den Schmuggel bis zu den wenigen Werten der Jugendlichen, von den elterlichen Problemen bis zu jenem der Einwanderer. „Das war alles im Roman von Davide Longo vorhanden, und diese Argumente haben mich sehr gereizt. Der Protagonist gefiel mir, und ich habe mich in einigen Aspekten seines Charakters wiedererkannt. Im Film gibt es viele Themen, aber es ist kein Film über Migranten und auch nicht über den Drogenhandel. Am Ende erahnt man, nach der ersten Lesart, dass das Thema, das mir am meisten am Herzen liegt, jenes der ‚fehlenden‘ Elternfigur ist, verkörpert von verschiedenen Figuren, nicht nur von Cesare. Es gibt viele bedeutungsvolle Symbole, zum Beispiel schnitzt Cesare am Anfang einen heiligen Josef aus Holz, als wäre es ein auch unbewusster Wunsch. Ich habe absichtlich einen unbestimmten Ort mit langsamen Zeiten geschaffen, in dem das richtige Timing herrschen muss, um die Geschichte zu verstehen. Sicher im Gegentrend zum schnelllebigen Konsum der heutigen Kinoangebote. Mir gefällt es, wenn Filme die Zweifel lassen.“
Kommentierst du uns den Satz im Film „Wissen zu wollen ist etwas Dummes, vor allem wenn es der Zweifel ist, der uns am Leben hält“? „Sicher. Es ist ein Satz, den ich sehr als meinen eigenen empfinde, er ist ein Angelpunkt des Films. Es ist nur der Zweifel, der die Hoffnung auf Veränderung gibt, nicht wahr?“
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