
Dass Zürich die italienischste der deutschschweizer Städte ist, zeigt sich auch bei Tisch. Generationen der Einwanderung haben der Stadt eine tiefe, lebendige italienische Gastroszene hinterlassen, die heute von der historischen Salumeria bis zum Fine Dining in Fünfsternehotels reicht. Bestätigt wird das vom Guide Michelin, der in seiner im Juli 2025 aktualisierten Auswahl der besten italienischen Restaurants Zürichs zehn Adressen versammelt. Kein Ranking, sondern eine genussvolle Landkarte quer durch Quartiere und Stile. Wir sind sie eine nach der anderen abgegangen, mit Empfehlungen, was man bestellen sollte.

Im eleganten Hotel La Réserve Eden au Lac am Utoquai 45 würdigt der Michelin, was er treffend eine Brasserie deluxe nennt: entspannte Atmosphäre, schickes Interieur und als pulsierendes Herz die einsehbare, grün gekachelte Küche. Durch die Fensterfront wandert der Blick direkt auf den Zürichsee. Am Herd steht Marco Ortolani, der die klassische italienische Küche mit französischen und internationalen Einflüssen verwebt, ohne auf eine Hommage an die Stadt zu verzichten, das „Zürcher Geschnetzelte" mit Kalbsmilken. Ein geschulter Service, eine exklusive Weinkarte und hervorragende Cocktails runden das Bild ab.

An der Waaggasse 7, mit separatem Eingang, betritt man das italienische Restaurant des Mandarin Oriental Savoy, des ältesten Hotels Zürichs mit Ursprung im Jahr 1838. Das ORSINI ist der Fine-Dining-Vorschlag der Auswahl: wertiges, elegantes Interieur, kreative und moderne Küche, Gerichte mit prägnanten Kontrasten und zugleich viel Balance und Leichtigkeit. Die Inspektoren nennen als Beispiel die zu einem Türmchen gedrehten Spaghetti auf saftigem Krabbenfleisch, benetzt mit einem Miesmuschel-Weisswein-Coulis und Kräutersauce, erfrischt von den Zitrusperlen der Fingerlimette. Abends gibt es das Degustationsmenü, mittags ein kompakteres Menü, stets begleitet von der Karte. Schirmherr des Projekts ist Antonio Guida, der Zweisternekoch des Seta in Mailand.

In einem historischen Gebäude von 1913 an der Nüschelerstrasse 6, wenige Schritte von der Bahnhofstrasse, leben Ristorante und Salumeria in einem Ambiente zusammen, das der Führer als wunderbar gemütlich und lebendig beschreibt. Die Küche blickt entschieden ins Tessin, während an der Theke die Mastri Salumieri eine mustergültige Auswahl an Salami und Schinken aufschneiden. Der Tipp der Inspektoren ist die am Tisch flambierte „Tagliata di Manzo", nicht zu vergessen die schöne Auswahl an Pasta. Die perfekte Adresse für alle, die das echte Italien ohne Förmlichkeiten erleben wollen.

An der Rotwandstrasse 48, im Herzen des Kreis 4 zwischen Bars und Boutiquen, überzeugt die Accademia del Gusto mit einer Atmosphäre, die lebendig und elegant zugleich ist. Der Michelin hebt die hausgemachte Pasta hervor, etwa die doppelten Ravioli mit Burrata, Tomate und Parmesansauce, sowie die Grillgerichte. Die wenigen Aussenplätze auf dem Gehsteig gehören zu den begehrtesten des Quartiers, und wer einen ergattert, geniesst eine der interessantesten Ecken des heutigen Zürichs.

Nicht ohne Grund ist das helle, modern-elegante Restaurant am Limmatquai 82 die Referenz für Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten. Erstklassige Produkte werden mediterran zubereitet und von einem eingespielten Team serviert: Auf der Karte stehen gebratene Wolfsbarschfilets mit Senfsauce, schwarzem Venere-Reis und Spinat, Riesencrevetten vom Grill und frische Austern. Im Sommer ist die Terrasse mit Blick auf die Limmat eine der schönsten der Stadt.

Im Freilager in Albisrieden, an der Freilagerstrasse 53, führt Antonio Colaianni, ein bestens bekannter Name der Schweizer Gastroszene, gemeinsam mit Gastgeber Marco Pero dieses chic gestaltete Gourmetrestaurant. Seine italienisch-französische Küche verbindet Tradition und Moderne: Im Fünfgangmenü stechen der „Tonno Rosso", Bluefin-Thunfisch mit Königskrabbe, und das „Tre Volte Manzo" hervor, Filet, Schulter und Essenz vom Rind mit Périgord-Trüffel. Das Herzensgericht aber ist ein anderes: die von Mamma Maria von Hand gemachten Orecchiette mit Polpettine und Tomatensugo. Und oft ist es Colaianni selbst, der sie an den Tisch bringt.

Im selben Gebäude wie die Cucina vervollständigt die Trattoria das Doppelkonzept des Freilagers mit einer sympathisch lebhaften Seele. Im Saal regiert die Gastfreundschaft von Marco Pero, am Herd steht Antonio Colaianni für eine traditionelle, geschmackvolle italienische Küche: vom „Vitello Tonnato" über die „Paccheri con Gamberoni" und das „Filetto di Branzino" bis zum am Tisch zubereiteten „Tiramisu Freilager", dazu eine gute Auswahl an Pizzas. Mittags wird das Angebot schlanker, mit einem fair kalkulierten Dreigang-„Menu D'Affari" und Tagesgerichten, bei schönem Wetter isst man auf der Terrasse.

Der Name erinnert ans Tessin, die Küche spricht die Sprache des Mezzogiorno. An der Rudolfstrasse 6, nahe dem Bahnhof Stadelhofen, empfängt Patron und Küchenchef Adriano Peroncini seine Gäste in einem intimen, herzlichen Lokal, in dem der Michelin die Frische einer süditalienisch geprägten Küche würdigt: den Oktopus, das piemontesische Fassone-Rind und natürlich die Pastagerichte. Die Weinkarte ist rein italienisch und deckt fast alle Regionen ab, der Service ist erklärtermassen „alla maniera italiana". Authentizität garantiert, Inspektoren-Ehrenwort.

Carne Cruda, Filetto di Vitello Rossini, Ravioli Carbonara: An der St. Annagasse 2 kommen aus der einsehbaren Küche des Ornellaia modern inspirierte italienische Gerichte, begleitet von einer Weinkarte, die auch die Etiketten des berühmten toskanischen Weinguts umfasst, dem das Restaurant der Bindella-Gruppe seinen Namen verdankt. Das Ambiente allein ist den Besuch wert: ein herrlich saniertes ehemaliges Bankgebäude, in dem klare Linien mit Sandsteinwänden und Kunst dialogieren, für eine Atmosphäre, die der Führer als toskanisch-modernes Flair beschreibt. Mittags gibt es zusätzlich eine kleine Lunch-Auswahl.

Den Abschluss der Auswahl bildet ein Stück Stadtgeschichte: die Stapferstube an der Culmannstrasse 45, oberhalb des Universitätsquartiers, wo die Familie Rizzo eine italienische Küche mit Substanz pflegt. Die Inspektoren nennen die „Moscardini alla Luciana", hausgemachte Pasta auf gebratenen Baby-Tintenfischen an Tomatensauce, und das „Bollito di Manzo Tradizionale" nach altem Hausrezept. Man kommt aber auch für die südländische Herzlichkeit wieder und für eine Atmosphäre, die nach Zuhause schmeckt, wie die vielen Stammgäste bestätigen.
Zehn Adressen, zehn verschiedene Arten, italienische Küche zu sagen: Die vollständige Auswahl ist auf der Website des Guide Michelin abrufbar. Für die italienische Community in Zürich ist es eine schöne Bestätigung: Die Küche der Heimat ist keine Nostalgie, sondern ein lebendiges Erbe, das die renommierteste Gastronomiekritik der Welt weiterhin feiert.