
Im Vorfeld der Auftritte am 30. November und 1. Dezember im Musical Theater in Basel und am 24. Februar 2024 in Lugano haben wir mit Amedeo geplaudert, da Pio bei den Proben beschäftigt war. Das Interview beginnt mit einem Scherz von Amedeo, der mir sagt, ich verpasse nichts, wenn Pio nicht dabei ist, er allein genüge ja. Natürlich ist das ein eingespieltes Künstlerduo und Amedeo spricht im Namen von beiden.
Wie geht es euch denn? „Uns geht es gut. Es ist ein guter Moment und zum Glück ist das schon seit einer Weile so. Live zu spielen und immer neue Leute zu treffen, gibt dir stets eine gute Portion Adrenalin, die uns zufriedenstellt. Zu sehen, wie das Publikum auf diesen oder jenen Gag reagiert, ist immer eine grosse Genugtuung. Ohne Zweifel ist das Live-Spielen das Schönste, was wir machen.“
Diese Show habt ihr wegen der Pandemie verschoben, in der Zwischenzeit habt ihr aber viel im Fernsehen gearbeitet und das Publikum hat euch noch mehr ins Herz geschlossen. Richtig? „Genau, wir erhalten sehr viel Zuspruch und merken, dass wir ernten, was wir über die Jahre gesät haben. Wir haben keine genau definierte Zielgruppe. Im Publikum sitzt der 18-jährige Junge und die 65-jährige Dame, und das ist bezeichnend, denn einem so breiten Publikum Komik zu schenken, ist mit Sicherheit anregend. Emigratis war für ein jüngeres Publikum, Felicissima sera für ein erwachseneres, aber im Theater bekommt man dann ein gemischtes Publikum.“
Wie habt ihr euch also vorgestellt, diese felicissime serate zu gestalten, zuerst in Basel vor einem Publikum aus italienischen Auswanderern und dann in Lugano, mit einer Mischung aus Italienern und italienischsprachigen Schweizern? Wird es Unterschiede im Zugang geben? „Ja, es wird Unterschiede geben. Die Show hat ein ganz genaues Gerüst, aber natürlich ändern wir unterwegs etwas, wenn wir merken, dass die Pointen ein wenig besser ankommen, und das Tempo zieht je nach dem Publikum an, das man vor sich hat.“
Beim Improvisieren kann man euch also als Künstlerpaar bezeichnen, das perfekt funktioniert und aufeinander eingespielt ist? „Ja, jeden Abend haben wir unsere Grundlagen, aber wir passen uns der Reaktion des Publikums an, und wir müssen Spass haben, sonst würden wir nicht so viele Termine mit denselben Pointen Abend für Abend schaffen. Um andere zum Lachen zu bringen, müssen zuerst wir selbst uns amüsieren. Manchmal sagt er mir Dinge nicht und manchmal sage ich sie ihm nicht, und wir sagen sie uns direkt auf der Bühne, so entsteht die richtige Spontaneität in den Pointen. Wir improvisieren auch mit dem Publikum, und natürlich weiss man nie, was daraus entstehen oder was passieren kann.“

Das Publikum ist also eine Ressource der Show? „Sicher, mit den Zuschauern zu interagieren gibt ihnen das Gefühl, Teil der Show zu sein, eingebunden in unsere Komik. Auch zur Abwechslung, um sich auszutauschen und um zu verstehen, was gefällt und was der Zuschauer von uns erwartet. Vor allem im ersten Teil versuchen wir auch, als soziales Experiment von der Bühne zu steigen, und das ist immer ein spontaner Spass, der allen gefällt.“
Worauf baut die Show auf? „Wir haben 5 Live-Musiker und wir singen je nach den Gags, die den Sketchen vorausgehen oder folgen. Es wird Monologe geben, und dann haben wir uns eine Projektion Italiens im Jahr 2036 ausgedacht, in der Pio und ich in einer Gefängniszelle von City life in Mailand sitzen und die Stimme von Chiara Ferragni das Sagen hat: kurz gesagt eine ironische Übertreibung dessen, was passieren könnte.“
Sicher eine interessante Vision. Zurück zur TV-Show „Felicissima sera“: Ihr habt sehr viele namhafte Gäste eingeladen, gab es jemanden, mit dem das Feeling besonders intensiv war? „Normalerweise weiss, wer zu uns kommt, schon im Voraus, dass er sich aufs Spiel setzen muss. Vor allem die Sänger gehen in Italien dorthin, wo sie wissen, dass es eine Art ‚confort zone‘ gibt, in der keine unbequemen Fragen gestellt werden. Alle unsere Gäste, mit denen wir vor der Organisation gesprochen haben, zeigten sich offen für einen Abend, an dem man nicht das Stück in Promotion abliefern oder Werbung machen muss. Man kommt, weil man sich mit uns amüsieren will. Und es hat bei allen funktioniert. Wir haben es geschafft, auch heilige Kühe wie Baglioni oder Venditti zum Vergnügen zu bringen. Es entsteht Magie.“
Ist es bei denen, die die Einladung nicht angenommen haben, eine Frage der politischen Korrektheit? „Ich glaube, jeder Künstler hat seine eigene Empfindsamkeit, und wahrscheinlich hatten sie den Eindruck, in Verlegenheit gebracht zu werden oder dass wir unkorrekte Fragen stellen würden. In Wirklichkeit versuchen wir aber immer, dem Gast ein gutes Gefühl zu geben, und bemühen uns, intellektuell ehrlich zu sein.“
War die beste Erfahrung, der Höhepunkt, den ihr erreicht habt, der Gastauftritt in Sanremo? „Es war ein entscheidender Wendepunkt, um uns dem grossen Publikum bekannt zu machen. Wir haben Sanremo mit einer gewissen Unbefangenheit erlebt und ohne Erfolgsdruck, aber jede Etappe ist wichtig. Mediaset hat uns das Vertrauen geschenkt, eine Show allein zu tragen, und das ist für jeden Künstler ein beachtliches Ziel.“
Als ihr eure Karriere begonnen habt, gab es jemanden, dem ihr nacheifern wolltet? „Schau, in Apulien gab es ein Komikerduo, ‚Toti e Tata‘, das sich dann aufgelöst hat und das wir als Kinder angeschaut und uns zum Vorbild genommen haben. Und natürlich wären wir überglücklich, wenigstens ein Fünftel dessen zu erreichen, was Franco und Ciccio geschafft haben.“
Danke Amedeo… an diesem Punkt bleibt uns nur der Wunsch, dass ihr eine lange Karriere in künstlerischer Symbiose haben möget!
Pio e Amedeo
LIVE
Donnerstag, 30. November 2023, 20.30 Uhr
Musical Theater, Basel
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Freitag, 1. Dezember 2023, 20.30 Uhr
Musical Theater, Basel
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Samstag, 24. Februar 2023, 20.30 Uhr
Palazzo dei Congressi, Lugano
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