
Zweifellos eine Persönlichkeit, bekannt für ihr Charisma, aber auch dafür, ein Renaissancemensch zu sein: Liedermacher, Multiinstrumentalist, Texter und Maler. Paolo Conte erneuert sich und revolutioniert sein Schreiben, indem er eine vollständig instrumentale Platte einspielt. „Amazing Game“ ist der Titel dieses neuen Albums, das weltweit erscheint (auch in der Schweiz - kauf es auf iTunes). Im ehrwürdigen Alter von 79 Jahren bringt der Maestro sein erstes rein instrumentales Album heraus, auf dem er 23 Aufnahmen aus unterschiedlichen Epochen versammelt. Hier besiegelt er das Aufkommen eines völlig neuen Musikstils - „Ich habe die ganze Geschichte des Jazz verfolgt, dann aber habe ich mich zu den Archaischen geflüchtet. Eine kleine Revolution innerhalb der grossen Revolution“, erklärt uns Conte während des Interviews. Mit dem Älterwerden hat seine Lust am Risiko, am Improvisieren nicht nachgelassen „ich habe mich gefragt, wie die Musik wohl aussieht, betrachtet von einem feinfühligen Schlagzeuger“, und die Antwort liegt in diesem Album - „er wohnt allem bei, was geschieht, durchbohrt von allen Harmonien“. In diesem „neuen Debüt“ preist der Künstler die Stille als zentrales Werkzeug, um seine Musik zu komponieren. „Die Stille ist eine wunderbare Strategie - sagt er - die Stille ist gutes Singen, während einem das Wort irgendwann zu eng wird. Die Musik erzählt greifbarer als die Worte“, und hier bekräftigt er erneut seine Leidenschaft für die Kunst des 20. Jahrhunderts und vor allem für die Zwanzigerjahre, den Sinn für das Informelle und das Abstrakte, die Vorliebe für die Tonalität. Es gibt eine starke Kluft - erklärt er - zwischen dem Ende der Neunzigerjahre und den Zweitausendern „der Inhalt ist gegenüber der Form zu stark präsent“, doch das bedeutet nicht das Ende des grossen Liedermachers, der sich nun mehr denn je dafür einsetzt, neue Projekte voranzutreiben. „Ich habe eine grossartige Produzentin für das neue Album, ich erwarte viel von Decco.“ Er deutet auch einige Projekte seiner nahen Zukunft an „einige Filmspuren, gleich um die Ecke könnte der Film warten“. Es spricht ein Künstler, der die soziologischen Wandlungen der Menschheit erlebt hat und noch heute erlebt, mit grosser Achtung vor der Rolle der Frau von heute - „ich habe grossen Respekt vor den Frauen. Es gab einen historischen Moment, in dem Mann und Frau begonnen haben zu kommunizieren, doch der Zauber von früher ist trotzdem nicht mehr da“.
Kaufe das neue Album von Paolo Conte - Amazing Game

Auf die Frage, ob er im musikalischen Panorama einen möglichen Erben erahnen könne, überrascht Paolo und betont - „ich hatte Tausende von Lehrern, aber keinen Erben. Ich weiss nicht, ob es ein Lob für mich ist oder ein Makel, dem Nächsten nichts weitergeben zu können“. Wie dem auch sei, dieses neue Album verspricht Funken „die Titellisten sind nach Tonalität zusammengestellt, von der langsamsten bis zur schnellsten, und ich hatte schon immer ein hervorragendes Verhältnis zur klassischen Musik“. Nach der Tournee, deren erste Etappe am 22. Oktober Rom vorsieht, am 29. Oktober Brescia, am 11. und 12. November Mailand, am 12. November Turin und am 29. November Hamburg „möchte ich mich ausruhen, ich habe Heimweh, wenn ich losfahre, doch die Tournee stellt man sich, und sie spornt mich zugleich an. Ich liebe es, die echte Küche jeder Stadt zu geniessen, das Wesen zu erfassen, das mir jeder Ort, den ich besuche, nahelegt. Heute gibt es mehr Interesse an der instrumentalen Musik, und das kann mich nur zu einem glücklichen Menschen machen. Die instrumentale Musik lauscht der Seele der Instrumente, und das hängt vor allem von dem ab, der das Instrument spielt“.
Hintergrund
Geboren in Asti am 6. Januar 1937, war er in seiner über fünfzigjährigen Laufbahn Autor von Musik für andere Künstler, darunter „Azzurro“ für Adriano Celentano, „Insieme a te non ci sto più“ für Caterina Caselli und „Tripoli '69“ für Patty Pravo. 1974 beschliesst er, sich ausschliesslich dem künstlerischen Beruf zu widmen, und gibt damit den Startschuss für eine mit Auszeichnungen und Erfolgen gespickte Karriere, in der der Jazz-Stil einen bedeutenden Abdruck in seinem Werdegang hinterlässt, schon vorbestimmt, einer der meistprämierten überhaupt in der italienischen Musiklandschaft zu sein.
Ort des Interviews
c/o Mudec – Museo delle Culture
Via Tortona, 56 (MM2 P.ta Genova)
Mailand (Italien)