
Fast zwei Monate Reise im Alleingang, von Santiago de Chile nach Buenos Aires, viertausend Kilometer bergauf und bergab durch die Anden im leisen Rhythmus des Fahrrads, zwischen atemberaubenden Landschaften, Musik, Anstrengung, Begegnungen und Gedanken, die den Wolken an unglaublich blauen Himmeln nachjagen. Und eine GoPro als einzige Reisebegleiterin, die von Jovanottis einsamer Reise ans Ende der Welt zeugt. Sechzig Stunden Filmmaterial, „die für kurze Clips auf den sozialen Netzwerken oder auf Youtube gedacht waren“, so erzählt es unser nationaler Jova, und die stattdessen Gestalt angenommen haben, eine seltsame und ungewöhnliche Gestalt, und zu einem Fernsehprojekt für RaiPlay geworden sind. Die Sendung heisst „Non voglio cambiare pianeta“ (nach einem Vers aus einem Gedicht von Pablo Neruda), ab dem 24. April verfügbar, in sechzehn Folgen von jeweils rund 15 Minuten. „Schwer, genau zu definieren, was es ist... ein Docu-Trip, ein wenig psychedelisch, der Sport, Musik und Reisen vermischt, aber etwas zu sagen hat. Ein Spalt, der unendliche Möglichkeiten sehen lässt“. Der Künstler fügt diese Worte hinzu: „Für mich war es eine spirituelle Reise; mit dem Rad kannst du Orte durchqueren, an die du mit dem Auto nie fahren würdest, du hast viele kleine Epiphanien voller Staunen und Inspiration“. Als er zurückkam, schickte Jovanotti ein Foto an seinen langjährigen Freund, den berühmten Regisseur Gabriele Muccino, und dieser antwortete ihm: „Lebe, als wärst du 20“, doch der Künstler entgegnet, dass „es nicht so ist: Eine solche Reise mit 53 Jahren hat einen noch tieferen Sinn. Die Jahre der Bildung enden nie, du kannst bis 90 lernen, bis zum letzten Atemzug“. „Ich hatte eine Kamera am Lenker montiert, für mich war sie geworden wie Wilson, der Ball von Tom Hanks in Cast Away“, erzählt Jovanotti. „Es war eine glückliche Reise, zwei Monate voller Glück, ich radelte 10 bis 12 Stunden am Tag, dann, im März, als ich nach Fiumicino zurückkehrte, hielt man mir ein Thermometer ins Gesicht und mir wurde bewusst, was in Italien gerade geschah. Diese Reise ist ein Tutorial für die Phase zwei: weil da jemand ist, der Abstand hält, aber reist“. Reise, Musik und Worte. Jovas Einladung an die Jungen lautet: „Lest und reist. Schaut Filme, hört Musik, reist in jeder Hinsicht. Nehmt die Wahrheit nicht so hin, wie sie euch gegeben wird“. Zufriedenheit bei der Rai über die Zusammenarbeit mit Jovanotti. Von Santiago de Chile nach Buenos Aires, durch Wüsten, Ozeanküsten, Nationalparks, die Anden, die Pampa, verlorene Dörfer und die grosse Stadt. Für Lorenzo „hat die Strasse immer Antworten auf unsere Fragen und die Fähigkeit, mir das Herz zu füllen, und so bin ich zu diesem Abenteuer auf meinem Fahrrad aufgebrochen“. Reisen, fügt er hinzu, „ist eine grosse Chance und das, was mir in diesem Moment am meisten fehlt“. Diese Dokumentation kann als Inspiration für die Phase 2 der Wiederöffnung dienen, die die Livemusik leider noch nicht betreffen wird. „Es wird Zeit brauchen, aber es bedrückt mich, an eine Zukunft nur aus Live-Auftritten in den sozialen Netzwerken zu denken. Die Musik liegt in der Luft zwischen den Menschen, nicht in der Luft zwischen den Boxen und dem PC. Musik gilt als etwas Überflüssiges, aber sie ist ein notwendiges Überflüssiges“.