
Es ist ein kalter Oktobermorgen. Der Asphalt ist noch feucht vom morgendlichen Raureif. Der Chefredakteur und ich nehmen gemeinsam das Auto und machen uns auf in Richtung Kanton Aargau. Ziel ist der Uetliberg, wo sich der Hauptsitz der Ofrag befindet (offizieller Importeur von Piaggio in der Schweiz). Wir sind beide ein wenig nervös. Wir wissen noch nicht genau, was uns erwartet. Wir wissen nur, dass wir die Gelegenheit haben, das brandneue Schlachtross von Aprilia zu testen.
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Die mehrfach ausgezeichnete Aprilia Tuono V4 APRC mit 167 PS und 111 Nm, verteilt auf 187 Kilogramm Trockengewicht. Ein Donner, ja geradezu ein Blitz auf der Strasse. Am Ziel angekommen, betreten wir den Showroom, in dem die Modelle der Piaggio-Gruppe ausgestellt sind. Im Nu erspähen unsere Augen das Modell, das uns die Ofrag freundlicherweise für zwei Wochen zum Testen überlassen hat. Neben der Aprilia V4 Tuono erblicken wir die Schwester, die amtierende Superbike-Meisterin, die Aprilia RSV4 APRC Factory. Zwei Motorräder, die jeden Motorenfan träumen lassen (und so auch uns). Ein „Guten Morgen“ unterbricht unsere Träume als Biker, in denen wir den Lenker packen und uns mit diesen beiden fantastischen Erzeugnissen der italienischen Ingenieurskunst auf die Strecken der Welt stürzen. Ohne dass wir etwas bemerkt hätten, hat sich ein Aprilia-Mechaniker uns genähert; nach den ausführlichen Vorstellungen beginnt der Mechaniker, sie vorzustellen, die Aprilia V4 Tuono, die einen hochmodernen Vierzylinder-V-Motor besitzt (denselben wie die Schwester Aprilia RSV4 Factory). Ein Motorentyp, den kein anderer Hersteller von Rennmotorrädern in seinen Modellen anbietet; Aprilia ist die einzige, die diesen begeisternden Motortyp im Programm hat. Und das ist noch nicht alles. 167 PS, 111 Nm bei nur 187 kg Trockengewicht sind nicht von schlechten Eltern. Aus diesem Grund hat Aprilia seine Tuono mit einem umfangreichen Paket an elektronischen und mechanischen Hilfen ausgestattet, die nicht nur dabei helfen, auf der Rennstrecke schneller zu sein, sondern auch eine gewisse Sicherheit auf dem Weg von zu Hause zur Arbeit oder von zu Hause zu den Alpenpässen bieten. Diese Hilfen sind: eine in acht Stufen einstellbare Traktionskontrolle, drei Motormappings, eine Anti-Wheelie-Kontrolle, Launch-Control, ein Bordcomputer, eine Stoppuhr, eine Ganganzeige, Brembo-Bremszangen der Spitzenklasse, hochwertigste Federelemente usw. Alle elektronischen und mechanischen „Gimmicks“, die dieses Motorrad besitzt, in diesem Artikel niederzuschreiben, würde den gesamten von der Redaktion gebotenen Platz einnehmen. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns auf unsere Eindrücke und die Emotionen, die wir auf diesem herrlichen Motorrad erlebt haben. Nachdem der Mechaniker das Motorrad vorgestellt hat, ist es an mir, mich vorzustellen. Sobald es gestartet ist, begreifen wir im Nu, warum Aprilia beschlossen hat, sein Motorrad Tuono (Donner) zu nennen. Das Dröhnen des Motors ist der Wahnsinn. Ein Klang, der die Haut schaudern und die Gemüter jedes Motorenfans erglühen lässt. Grossartig diese Sinfonie des V4, von den anderen Motorradherstellern längst vergessen. Ungeduldig loszufahren, ziehen wir den Anzug an. Die herbstliche Kälte ist nun vergessen.

Im Sattel
Einmal im Sattel, merken wir, dass alles seinen Platz hat. Der Sattel, ein wenig hart (man merkt es erst nach einigen Stunden), ist auf die eine oder andere Weise für eine Sportlerin bequem. Lenker und Fussrasten erlauben uns eine aufrechte und nicht so gebückte Haltung wie auf der RSV4. Die (am Lenker angebrachten) Bedienelemente für den Bordcomputer und alle elektronischen Hilfen sind auch ohne den Blick von der Strasse zu nehmen leicht zu finden. Die Hebel für Bremse, Kupplung und Schaltung können vom Fahrer individuell eingestellt werden. So können wir, nachdem wir „Freundschaft“ geschlossen haben, endlich aufbrechen, um die Strassen zu erobern.
Auf der Strasse
Das Erste, was ins Auge, ja vielmehr ins Ohr springt, ist das Dröhnen des Motors. Selbst bei 120 km/h auf der Autobahn hört man den Donner des Motors. Unglaublich! Und hier fragen wir uns, wie die Aprilia-Techniker es geschafft haben, diesen Auspuff für den Strasseneinsatz homologieren zu lassen. Doch besser nicht fragen, danken wir vielmehr den Aprilia-Technikern, dass es ihnen gelungen ist. Was den Motor angeht, müssen wir den Ingenieuren, die ihn entworfen haben, weitere Lobreden aussprechen. Der Motor ist ein wahres Wunderwerk. Stets bereit, Schauer über den Rücken zu jagen, sobald man am Gasgriff dreht. Herrlich der Drehzahlaufbau, aussergewöhnlich der Schub, den er erzeugt. Mit diesem Motorrad hat jeder Ferrari, Lamborghini oder Porsche zu kämpfen. Doch wenn Sie jetzt denken, das Motorrad sei ein unbändiges Monster, irren Sie sich. Die hochentwickelte, von Aprilia im eigenen Haus produzierte Elektronik ist hier, um Ihnen zu helfen, all diese Pferde zu bändigen. Sie können auf eine Traktionskontrolle zählen, die im Bruchteil einer Sekunde die Unebenheiten des Asphalts erkennt und Ihnen hilft, die Kontrolle über das Heck nicht zu verlieren. Wir empfanden sie nicht einmal als zu aufdringlich. Im Gegenteil, sie ist im richtigen Mass aufdringlich. Wenn du zu viel Gas gibst, gibt sie dir wie ein Gentleman zu verstehen, dass du vielleicht etwas ruhiger bleiben solltest, weil die Reifen noch nicht genug aufgewärmt sind oder der Asphalt zu kalt ist. Endlich von der Autobahn abgefahren und Richtung Alpenpässe unterwegs, können wir endlich die Kombination aus Fahrwerk und Aprilia-Motor geniessen. Aprilia ist weltberühmt für seine superausgewogenen Motorräder (vielleicht erinnern Sie sich an die Aprilia RSV 1000 mit 2 Zylindern, die trotz des Leistungsnachteils den Masterbike 2006 gewinnen konnte). Auch in der neuen Tuono findet diese „Tradition“ ihre Fortsetzung. Das Motorrad reagiert sofort und mit äusserster Präzision auf alle Befehle des Fahrers. Es fühlt sich an, als führe man auf Schienen, so präzise ist dieses Motorrad. Auch die Unebenheiten des Asphalts bringen nicht zu viel Bewegung ins Motorrad. Die Federelemente vermögen selbst in Schräglage und bei nicht perfektem Asphalt tadellos zu „arbeiten“. Schöne Schräglagen für alle könnte das Motto der Tuono sein. Die Brembo-Anlage ist eine weitere Stärke dieses Motorrads. Sie ist ein Wunder an Kraft und lässt sich perfekt dosieren. Vielleicht sind die Bremsen für den Strasseneinsatz eine Spur zu kräftig. Nicht alle von uns sind Profifahrer, und ein ABS hätte vielen sicher gutgetan. Wir hoffen, dass Aprilia für die nächste Saison ein ABS in der Optionsliste anbieten kann. Ein Blick auf die Verkaufsstatistiken zeigt, dass die Schweizer Kunden sich darüber freuen würden. Nach einigen Schräglagen und ein paar Gasstössen werden wir von einem blinkenden Licht jäh gestoppt. 140 Kilometer, und das Motorrad meldet, dass es Durst hat. Und was für einen Durst. Leider ist das einer der wenigen wunden Punkte. Auch mit diesem Motorrad ist es Aprilia noch nicht gelungen, den Verbrauch in den Griff zu bekommen. Die Aprilia V4 Tuono trinkt kräftig. 9 Liter auf 100 Kilometer erscheinen uns ein übertriebener Verbrauch. Hier sollten sich die Aprilia-Techniker wieder an den Tisch setzen und dieses Problem lösen, das in diesen modernen Zeiten, in denen der Verbrauch in allen Köpfen allgegenwärtig ist, nicht akzeptabel ist. Nach einigen Stunden auf den Pässen und auf den Strassen der Schweiz geht die Sonne unter. Es ist Zeit, das Motorrad in die Garage zu stellen. Die Sonne ist untergegangen und die Strassen sind dunkel. Die Beleuchtungsanlage der Aprilia leuchtet uns den Weg. Es ist keine sehr starke Anlage, aber sie reicht, um heil nach Hause zu kommen. In der Garage angekommen, drehen wir den Schlüssel um, um das Gewitter an Emotionen zu beenden, das wir mit diesem Motorrad erlebt haben. Wir betrachten es, während es zufrieden „tickt“ (das Geräusch, das es beim Abkühlen macht). Wir nehmen den Helm ab und blicken in die Rückspiegel. Ein Lächeln! Ok, das sagt alles. Das Motorrad hat uns überzeugt.
Vorzüge: Motor - Fahrwerk - Design - Elektronik - Bremsen
Schwächen: Zu hoher Verbrauch - ABS noch nicht verfügbar - Beleuchtung
Besuchen Sie die offizielle Website: www.aprilia.ch